Maiwanderung im Festungsgürtel

Bericht von Marco Bortoluzzi

Bekanntlich fängt der frühe Vogel den Wurm. Am Sonntag, dem ersten Mai, fingen Jung und Alt im Raum Tägerwilen spannende Eindrücke aus einer vergangenen Zeit ein. Um Punkt 09.00 Uhr startete die Bunkerwanderung im Festungsgürtel auf dem Hof der Familie Dütsch in Tägerwilen. Nach der Begrüssung und der Gruppeneinteilung starteten die Besucher zur Erkundung der Anlagen des Festungsgürtels. Sagenhafte 120 Personen nahmen an der Wanderung teil und wurden von 25 Mitgliedern des Vereins geführt, informiert, und am Ende kulinarisch verpflegt.

Der Pfad begann mit der Besichtigung eines Beobachtungspostens, welcher durch einen Kugelbunker vor Feindeinwirkungen geschützt wurde. Dazu gehörte ein Anschluss für das Feldtelefon, um jederzeit mit dem Kommandoposten oder dem Bataillon in Kontakt zu stehen. Die Stellungen wurden von der Natur zurückerobert, doch die Mitglieder des Festungsgürtels erhalten den Charme dieser Anlage bis heute. Der zweite Posten lag auf der Achse Tägerwilen-Wäldi. Hier waren zwei Strassensperren eingebaut: Einerseits eine Panzerbarrikade mit vier Reihen eingelassener Dinträger und andererseits ein Sprengobjekt mit sechs Sprengschächten mit je 500 kg Sprengstoff. Beim Befehl zur Zündung konnte so die Strasse unbrauchbar gemacht werden, falls gegnerische Einheiten Richtung Süden stossen sollten. Der dritte Posten beinhaltete eine taktische Schulung und eine Besichtigung des Kommandopostens des ehemaligen Füsilierbataillons 276. Auf einer Karte wurde aufgezeigt, wo die Züge der Füsilierbataillons 276 eingesetzt gewesen wären. Auftrag der Kompanie war das Sperren der Achse TägerwilenWäldi, sowie die Verhinderung einer Seelandung. Die Kommandoposten wurden aus vorgefertigten Betonelementen zusammengesetzt. So konnte durch den Einsatz von standardisierten Bauelementen in kurzer Zeit eine Vielzahl von Anlagen in der Erde versenkt werden. Wasser, Strom und Luft waren Mangelware und es musste mit allen Ressourcen sorgfältig umgegangen werden. Wasser wurde durch die Logistik herangeschafft, damit auch die Körperpflege sichergestellt war. Strom gab es per se nicht in allen Bunkern. Die Beleuchtung wurde durch Lampen sichergestellt, die mit Leuchtpetrol betrieben wurden. Die Zufuhr von Frischluft erfolgte durch das Kurbeln an einem AC-Schutzluftgebläse. Zur Sicherheit wurde eine Kerze angezündet. Falls diese erlosch, mussten alle den Unterstand verlassen, da die Gefahr eines zu geringen Sauerstoffgehaltes bestand. Den krönenden Abschluss der Wanderung bildete die Besichtigung von zwei Infanteriebunkern aus der Zeit des zweiten Weltkrieges. Von aussen gross wie Häuser, beherbergten diese Betongiganten je 12 Angehörige der Armee. Mit einem Maschinengewehr 51 konnte der Feind auf bis zu 1000 Meter in Schach gehalten werden. Sollte der Feind näher an den Bunker herankommen, konnte man sich durch einen Handgranatenauswurf und Schiessscharten auch auf kürzeste Distanz verteidigen.

Nach einer weiteren kurzen Marschstrecke wurden wir bereits von der Küchenmannschaft zum Mittagessen erwartet. Mit einfacher Soldatenkost stärkten sich die Teilnehmer. Ein grosser Dank gilt den Organisatoren des Festungsgürtels, welche mit viel Herzblut die Bunker und Anlagen in Stand und so einen wichtigen militärhistorischen Komplex am Leben erhalten. Sicherheit ist ein zartes Gut, und wir sollten uns alle darauf besinnen, dass unsere Verteidigungsbereitschaft im 20. Jahrhundert wesentlich dazu beigetragen hat, dass unser Land seine Unabhängigkeit erhalten konnte.

Stehen wir daher auch in der Zukunft für unsere Armee und unsere Freiheit ein!

In der aktuellen sicherheitspolitischen Lage ist eine Solidarisierung mit der Armee von grösster Dringlichkeit. Mit solchen Anlässen kann dies gewährleistet werden.“ – Marco Bortoluzzi, Präsident JSVP Thurgau
Luca Huber (Präsident JSVP St. Gallen), Marco Bortoluzzi (Präsident JSVP Thurgau) und Michael Kahler (Präsident JSVP Schaffhausen) an der Bunkerwanderung in Tägerwilen
Kategorien: Allgemein

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