Von fehlender Toleranz und unsäglicher Naivität

Essay von Vizepräsident Max Slongo

Mit Erstaunen und Schrecken schaute ich mir gestern ein rund zehn Sekunden langes Video an. Mit Erstaunen darüber, wie das Toleranzverständnis von gewissen linken Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes komplett neu ausgelegt und damit die Grundwerte der direkten Demokratie ausgehöhlt werden. Mit Schrecken darüber, welche beispiellose Unreife die User im Netz an den Tag legen.

Was ist passiert?

Der leider durchaus sehr emotional geführte Wahlkampf im Hinblick auf die Volksabstimmung über das Verhüllungsverbot am 7. März ist bereits in vollem Gange. Im ganzen Kanton hängen Plakate aus, welche mit dem Schriftzug „Extremismus stoppen“ für ein Ja an der Urne zu werben versuchen. Ein engagiertes Parteimitglied sendete uns ein TikTok-Video zu, in welchem sich eine junge Dame darüber freut, was ihre Mutter soeben vollbrachte: Zu sehen sind abgerissene Ja-Plakate der Verhüllungsverbotkampagne, welche die wohl zwischen 40 und 50 Jahre alte Dame mit Migrationshintergrund von Kandelabern in Eigenregie entfernt hatte und diese nun zu Hause stapelt. Kommentar der Tochter auf TikTok: „Meine Mutter ist die geilste – Sie hat die einfach weggerissen und mitgenommen“.

Wir haben ein Problem

Es steht völlig ausser Frage, dass ein derartiger Wahlkampf ein emotionales Thema ist und die Mobilisierung der Befürworter sei genauso legitim wie jene der Gegner. Was hier aber passiert ist, geht nicht in Ordnung. Plakate abreissen, die einem nicht passen, klingt nach einer Bagatelle, doch ist weitaus mehr: Die Geschichte hat uns genug gelehrt, dass Demokratie und Toleranz der Anderen dort aufhören, wo Meinungen zensiert werden, die ihnen missfallen. Das ist ein klarer Angriff auf unsere direkte Demokratie – selbst dann, wenn die Frau im Video sich dessen wahrscheinlich nicht einmal bewusst war.

Noch viel drastischer sehe ich allerdings das Verhalten der restlichen User, welche das besagte Video weiterverbreiten und die Plakat-Aktion mit hämischen Kommentaren und begeisterndem Beifall feiern. Nur weil ein rechtes Anliegen debattiert wird, legitimiert dies keinesfalls das reflektierte Denken und Handeln in unserer Gesellschaft. Welch unsägliche Naivität und Unreife legen diese User doch an den Tag, indem sie einer Frau Respekt zollen, die gerade das Recht auf freie Meinungsäusserung gröber geritzt hat.

De Gschider darf nicht nachgeben

Gegen Sachbeschädigung und Verletzung der freien Meinungsäusserung kann rechtlich vorgegangen werden – gegen fehlendes Toleranzverständnis und unsägliche Naivität leider nicht. Da fällt mir der Mundartausdruck „De Gschider git nah, de Esel blibt stah“ ein, den wir in der Schule immer wieder gehört hatten. Es stellt sich also berechtigterweise die Frage: Warum sich aufregen?

Würden die Gescheiten nach und nach nachgeben, so blieben die Esel zwar stehen. Nur; irgendwann gäbe es nur noch Esel! Es ist daher unsere Pflicht als Bürgerinnen und Bürger mit Gesellschaftsreife zu handeln, gegen Angriffe auf die direkte Demokratie vorzugehen und jenen, die das auch noch gut finden, gewaltlosen Widerstand zu leisten.

Max Slongo, Vizepräsident der JSVP TG

Das Video ist auf unserem Instagram Kanal zu finden. [Die Person wurde verpixelt und ist nicht erkennbar!]

Kategorien: Allgemein

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