„Die Spaltung ist gefährlicher als das Virus.“

Marco Bortoluzzi führt seit genau 100 Tagen die grösste Jungpartei im Kanton an. Seit seiner Wahl am 12. November geht kein Weg an Corona vorbei. Wir stellen Marco fünf Fragen zu Covid19 und Politik.

Wie beurteilst du generell die Thurgauer Politik in Coronazeiten?
Ich denke, dass alle PolitikerInnen unseres Kantons während Corona gute Arbeit geleistet haben. Vor allem unser neuer Regierungsrat, Urs Martin, hat mit den beiden Ressorts Finanzen und Gesundheit eine Herkulesaufgabe, die er aber vorbildlich meistert.

Was hältst du konkret vom Thurgauer Umgang mit der Pandemie?
Ich hätte mir mehr konsequenteres Handeln gewünscht: Die Gastronomie zu schliessen, die zwei Haushalte-Regel einzuführen und gleichzeitig die Schulen, wo sich bspw. an einer Kanti Leute aus dem ganzen Kanton auf engstem Raum versammeln und nach jeder Lektion die Zimmer und Klassenzusammensetzung wechseln, offenzulassen, macht für unsere Partei gar keinen Sinn. Schon im Dezember forderten wir den Regierungsrat daher dazu auf, alle Nicht-Pflichtschulen ins Distance-Learning zu schicken – oder aber das Gewerbe und die Gastronomie wieder zu öffnen. Ganz nach dem Motto „Ganz oder gar nicht“.

Was vermisst du in der Partei in dieser speziellen Zeit?
Was ich persönlich am meisten vermisst habe, ist der Kontakt zu meinen Parteimitgliedern. Wir hatten 2020 einige Anlässe, welche auch mit Schutzmassnahmen zahlreich besucht wurden. Als
grösste Jungpartei im Kanton mit über 200 Mitgliedern ist es für uns zentral, einen guten Draht zu unseren Mitgliedern zu haben. Nur so erkennt man, wo der Schuh drückt. Diese Treffen fehlen uns sehr.

Was wünschst du dir, das anders gelaufen wäre während Corona?
Wir sitzen schlussendlich alle im selben Boot und wollen, dass die Pandemie vorbei ist. Im Gegensatz zum Frühjahr 2020 aber fehlt der Zusammenhalt: Egal ob links oder rechts, jung oder alt; die Meinungen in unserem Land divergieren zunehmend, auch in aggressiverem Ton.
Die Spaltung in der Gesellschaft ist weitaus gefährlicher als das Virus – denn wir müssen auch nach der Krise gemeinsam vorwärtskommen.

Impfstoffe sind jetzt da – die Politik könnte aber nachhaltig durch Corona geprägt worden sein. Was hältst du von einem elektronischen Parlament oder Unterschriftensammlungen per Klick?
Das oberste Ziel ist, wieder in den alten Alltag zurückzukehren. Wir haben nun mehrere Impfstoffe und müssen jetzt möglichst schnell alle Risikopatienten impfen, die das wünschen. Ich stelle mich keinen Impfzwang! Von einem elektronischen Parlament halte ich nichts, da der zwischenmenschliche Kontakt verloren ginge.
Eine direkte Demokratie ist dynamisch. Per se stellt sich unsere Partei nicht gegen neue Formen der Unterschriftensammlung. Bei elektronischen Signaturen gilt zu bedenken, ob die erforderliche Anzahl Unterschriften erhöht werden sollte. Seit 1977 benötigen wir 100’000 Unterschriften für eine Volksinitiative, die Bevölkerung ist jedoch von ca. 6 Mio. auf 8.5 Mio.
Menschen angestiegen. Bei der Datensicherheit und dem fehlenden sozialen Kontakt habe ich ebenfalls meine Bedenken. Wir sammeln lieber auf der Strasse.

Marco Bortoluzzi hat schriftlich auf die Fragen geantwortet

Kategorien: Allgemein

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